kultur 

Über den Bau der Saalebrücke

Unsere Saalebrücke   und ihre Bedeutung

Von Karl Labbert - Alsleben an der Saale

Enkel mögen kraftvoll walten, Schwer Errungenes zu erhalten.

In der Reihe der Bauwerke, die im Rahmen dieser Festschrift Anspruch auf Würdigung erbeben können, steht die Saalebrüche ohne Zweifel mit an erster Stelle. Sie hat die ganze Landschaft grundlegend verändert und ist dank ihrer architektonischen Schönheit geeignet, dem Gesamtbild ein wuchtiges und harmonisches Gepräge zu verleihen. Wahrlich, hier ist das Schillerwort zur Ehre gereicht: Das Alte stürzt, es ändert sich, die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.

Der Saalebrückenbau Alsleben-Mukrena ist mit einem Gesamtkostenaufwand, (einschließlich Rampenbau usw.) von rund 900.000.-RM durchgeführt worden. Das bedeutet, dass auf den Kopf der Einzahlzahl rund 225-RM entfallen. In der Nachbarstadt Bernburg könnte man unter Zugrundelegung dieses Verhältnisse mithin ein Bauwerk für 7 425 000-RM, oder mit anderen Worten: Den 300 m hohen Pariser Eiffelturm und das „Brandenburger Tor" errichten! Würde man den kühnen Versuch machen, von jedem Hallenser 225.-RM einzuziehen, so könnten die Stadtväter die ansehnliche Summe von 45 000 000.-RM und die von Leipzig rund 150 000 000.-RM ihrem Stadtsäckel zuführen! Halle könnte sich dann mehr als  8 und Leipzig mehr als 28 Eiffeltürme leisten.

Der Brückenbau zwischen Alsleben und Mukrena war jedenfalls, wie sich aus diesen Zahlen ergibt, für unser kleines Gemeinwesen ein Projekt von außergewöhnlicher Bedeutung und finanzieller Bedeutung, wie dieser Saaleübergang überhaupt im Wandel der Zeiten stets von besonderer Wichtigkeit gewesen ist.

Bis 1867 wurde der Verkehr über den Saalestrom zunächst durch eine, später dann durch zwei große Fähren bewirkt. Mit der Schaffung einer Schiffsbrüche (1867) mit 120 ztr. Tragfähigkeit finden wir die obenerwähnte Bedeutung des Saaleüberganges erneut bestätigt. Die Pontonbrücke, nach damaligen Begriffen eine bahnbrechende Neuerung, erfüllte jahrzehntelang, treu und brav ihre Pflicht. Mit dem Verschwinden der Postkutsche wurde indessen ihr Blick nach der vorwärtsstrebenden Stadt Als1eben immer wehmütiger. Sie wusste, dass sie hier bald ihre Daseinsberechtigung verlieren musste, wurden doch der Autoverkehr ständig reger und die Lasten schwerer.

Der Stein kam 1926 entscheidend ins Rollen. Es galt zunächst, die Bevölkerung von Alsleben und Umgebung (Mukrena, .Beesenlaublingen und Beesedau), sowie die maßgebenden Behördenstellen für den Plan, im Zuge die Reichstraße 6 eine massive Saalebrüche erstehen zu lassen, zu interessieren, um die Finanzierung Sicherzustellen. Hierbei wurden Geschick und Fähigkeit des amtierenden Bürgermeisters auf harte Proben gestellt, zumal man sehr bald erkennen musste, dass die ursprünglich roh veranschlagten Kosten von 400.000.-RM zur Finanzierung nicht ausreichen. Die maßgebenden Regierungsstellen vermochten sich aber schließlich der Notwendigkeit, den in verkehrspolitischer Hinsicht äußert wertvollen Bau tragen zu helfen, doch nicht zu verschließen. Und so gelang dann doch noch der große Wurf.

Dem Gelingen ging aber noch eine Begleiterscheinung vorauf, die viel Staub aufwirbelte und die Gemüter erregte. Unsere Nachbarstadt Könnern hatte ebenfalls -- ob früher oder Später, spielt hier keine Rolle — Brückenbaupläne erkennen lassen. Es herrschte „Brückenbaufieber" und die „Konkurrenz“ – wollte den Alslebenern gar nicht gefallen.

Der Sturm hat sich, wie immer in solchen Dingen, wieder gelegt. Die Zeit hat so manche Wunde geheilt, und jeder Alslebener blickt heute mit Stolz auf das monumentale Bauwerk der Firma Dyckerhoff & Widmann. Keiner grollt den Könneranern mehr, dass auch ihr Projekt zur Durchführung  gekommen ist.

Nur einmal im Jahre, nämlich bei der Aufstellung des Haushaltsplanes, tritt die Brücke in der Rolle des Schmerzenskindes in Erscheinung, denn es gilt die Zins und Tilgungsraten Sicherzustellen. Rund 46 000.- RM sind alljährlich für diesen Zweck an ordentlichen *Mitteln aufzubringen. Das Ausgabe-Soll beträgt insgesamt rund 53 000. - RM.

Die Lasten werden indessen kleiner und kleiner (die Anleihebelastungen sollen verstärkt getilgt werden), so hat einst auch der Zeitpunkt kommen wird, wo ein dicker Schlussstrich gezogen und jenes „Sorgenkind" endgültig begraben sein wird.

Vielleicht bald!

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Erstellt: 11.09.2015
Geändert: 11.09.2015
Artikel-ID: 22