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Über Elektronik-Service Holewa

03.06.2018 00:00:00 | Mitteldeutsche Zeitung | Susanne Schlaikier
Elektronik-Service Holewa

Ein bisschen Nostalgie kommt auf, wenn man sich die alten Radio-Geräte im Geschäft von Raik Holewa anschaut. Sie erinnern an eine Zeit, in der Radio hören noch ein Erlebnis war - und nicht nur nebenbei konsumiert wurde:
Vor schätzungsweise 60 bis 70 Jahren. Raik Holewa hat sie von seinen Kunden geschenkt bekommen. Sie funktionieren zwar nicht mehr, passen aber gut in sein Elektronik-Geschäft in der Alsleber Burgstraße 22.

Holewa verkauft große Flachbildschirme und Wlan-Radios

Ansonsten aber ist hier alles auf moderne Technik ausgerichtet: Große Flachbildschirme gibt es hier ebenso wie WLAN-Radios und anderes technisches Equipment. Raik Holewa verkauft aber nicht nur, sondern repariert die Geräte auch.
Doch mit der „Bastelarbeit“, die den Beruf des Fernseh-Mechanikers einst für ihn so reizvoll machte, hat seine Arbeit heute nur noch wenig zu tun. „Man konnte früher noch richtig rumschrauben“, erzählt der Beesenlaublinger, der das Geschäft vor rund zehn Jahren von seinem Vorgänger übernommen hatte. Oft jedoch würde sich eine Reparatur nicht mal mehr lohnen, weil die Ersatzteile teurer sind als eine Neuanschaffung, sagt der 48-Jährige.

Otto Weber eröffnete 1962 ein Fernseh-Geschäft

Bereits 1962 eröffnete Otto Weber in dem geschichtsträchtigen Haus Burgstraße 22 ein Fernseh-Geschäft: Bis 1938 hatten Anna und Minna Rosenberg hier ein Bekleidungs- und Kurzwarengeschäft geführt. Die beiden Jüdinnen wurden enteignet und 1942 deportiert.
Als Otto Weber 20 Jahre später hier sein Geschäft eröffnete, war er vor allem mit der Reparatur alter Radio- und Fernsehgeräte beschäftigt. „Man konnte und musste damals alles reparieren. Es gab ja nichts“, erklärt Raik Holewa.

Nach der Wende, 1990, hat Otto Webers Enkelin Gudrun Seeger das Geschäft übernommen. Ihr Mann Joachim habe es als Reparaturwerkstatt weitergeführt, erzählt Holewa, der selbst 1989 in dem Geschäft angefangen hat.

Im Jahr 1989 begann Holewa die Arbeit in dem Geschäft

Schon damals sei ihm klar gewesen, dass er es irgendwann einmal übernehmen möchte. Bereits 1990 war es aber mehr als eine Werkstatt: Die Eheleute Seeger begannen mit dem Verkauf von Fernseh-Geräten, Radios, Satellitenschüsseln und allem, was sonst an Heimelektronik benötigt wurde.
„Die Fernsehgeräte stapelten sich bis an die Decke. Nach einer Woche waren sie weg“, erinnert sich Holewa an den Boom Anfang der 1990er Jahre. Auch eine Satellitenschüssel war ein Muss. Schließlich sehnte sich jeder nach der modernen Technik, die einem die Welt via Bildschirm nach Hause brachte.

Nach rund drei Jahren waren der Bedarf an Fernsehgeräten gedeckt

Nach rund drei Jahren war der Bedarf vorerst gedeckt und Joachim Seeger versuchte sich zusätzlich in einer GmbH mit Elektroinstallationen - um schließlich 2008 seine Zelte in Alsleben ganz abzubrechen und in die Schweiz auszuwandern. Für Raik Holewa kam die Gelegenheit, den Laden zu übernehmen, dann aber doch etwas schneller als gedacht.Denn er war gerade noch dabei, seinen Meister zu machen. „Ich hatte noch keinen richtigen Plan, weil es so überraschend kam“, erzählt Holewa. Er habe die Räume dann renoviert und etwas umgestaltet und im Januar 2009 das Geschäft wiedereröffnet. In jener Zeit kamen auch Flachbildschirme in Mode. Erneut erlebte der Laden einen Aufschwung, denn (fast) jeder wollte plötzlich einen.

Internet und Discounter sind starke Konkurrenz

Inzwischen kaufen jedoch nur noch die wenigsten ihr TV-Gerät im Fachgeschäft. Heute würden sich die Leute eher im Internet umschauen. Oder aber beim Discounter. Die Dienste des 48-Jährigen sind vor allem beim Installieren von Sat-Anlagen und Einstellen von Geräten gefragt.
Hinzu kommen einige wenige Reparaturen. „Ich muss keine Teile mehr tauschen, sondern Module“, erläutert der 48-jährige Beesenlaublinger den Unterschied zu früher. Auch Handy-Displays muss er mitunter reparieren.

Ältere Kunden halten dem Geschäft von Holewa die Treue

Vor allem die ältere Kundschaft würde ihm die Treue halten, erzählt Raik Holewa. Daneben bietet er seit rund drei Jahren auch einen Paketdienst an. So käme noch ein bisschen Laufkundschaft hinzu.Außerdem arbeitet er seit rund drei Jahren für ein Telekommunikationsunternehmen auf Montage. Meist von montags bis donnerstags. Momentan ist der 48-Jährige viel in Süddeutschland beschäftigt. Wenn er unterwegs ist, kümmert sich seine Frau Gesine um das Geschäft.

Auch Ehefrau Gesine Holewa arbeitet im Geschäft

Raik Holewa hadert nicht mit der Entwicklung. Natürlich, sagt er, wäre es schöner, wenn er nicht zusätzlich zum Geschäft auf Montage gehen müsste. Aber er nimmt die positiven Aspekte mit. Man kommt nicht nur herum, sondern lerne auch noch etwas dazu, meint der Beesenlaublinger. Gleichwohl hofft er, dass er in einigen Jahren nicht mehr zusätzlich in der Ferne arbeiten muss.

(mz) – Quelle: https://www.mz-web.de/30552992 ©2018