Blei am Arm

von Bemhard Gremler

"Blei an den Füßen" - wer hatte.- das nicht schon gespürt. Da will man schnell irgendwo hin, aber alles ist oder wird so unglaublich beschwerlich.
Man kommt nicht voran, hat eben Blei an den Füßen.

Blei am Arm ist dagegen sehr viel seltener und als volkstümliches Wort kaum bekannt. Und doch gab es das auch. In Alsleben an der Saale beim Athletenvater Theodor Siebert mussten viele Übungsteilnehmer BIei in den Arm nehmen.

Wie das geschah? Wir wollen es vernehmen. Über Theodor Sieberts bahnbrechendes Wirken als Trainer der Schwerathletik wurde im 3. Heimatheft bereits berichtet. Des Meisters unermüdlich forschender Geist erfand immer neue Trainingsmethoden und Trainingsgeräte. Zu letzteren gehörten jene unglaublich schwergewichtigen Spazierstöcke, die in Alsleben als letzte Stücke von Sieberts Wirken noch eine zeit lang übrig blieben. Sie wurden zur Legende.

Die Geräte sahen aus wie normale Spazierstöcke aus Holz, bestanden aber aus mit Blei gefülltem Stahlrohr. Sieberts Schützlinge mussten eifrig knickend und stockschwingend stundenlang damit spazieren gehen, die Stärksten sogar mit einem Stock in jeder Hand. Zur Kräftigung der Armmuskulatur, zur Verbesserung der Griffsicherheit der Hände unter Last. des Fingerspiels. Das mag für Gewichtheber und Ringer wichtig sein. Mancher Einheimische, der sich stark genug glaubte, bei Siebert mitzumachen, musste durch den "Stocktest".

Theodor Siebert Der Athletenvater gab dem Bewerber urplötzlich und scheinbar spielend leicht eine solche Krücke in die Hand.

"Da, Nimm das!"

Wurde die Last gekontert. so nickte der Meister: "Junge, das wird was." Wer aber überrascht und erschrocken den Spazierstock sinken oder gar fallen ließ, war ohne Chance. Einige sollen so ungeschickt gewesen sein, dass ihnen der Stock auf die eigenen Schuhe glitt.. Die konnten schmerzhaft spüren. dass ihnen Blei nun auf den Füßen lag. Womit der Eingangsspruch sich wieder erfüllte.