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Schloss in Alsleben Bald neues Leben am Ufer der Saale?

15.07.2017 08:42:13 | Carsten Roloff

Es ist eines der Wahrzeichen der Schifferstadt, das Schloss in Alsleben. Es wurde von Heinrich von Krosigk im Jahr 1689 neu erbaut und gehörte ab 1747 dem Fürsten Leopold von Anhalt Dessau. Der Herrschaftssitz blieb lange Zeit erhalten, war aber zu DDR-Zeiten eine FDGB-Gewerkschaftsschule. Doch nach der Wende blieb das Gebäude, das vom Bernburger Bauunternehmer Thomas Fränkel vor zehn Jahren käuflich erworben wurde, ungenutzt. Ana Kunst-Baur hat sich nun zum Ziel gesetzt, dem Schloss mit Hilfe einer Stiftung wieder neues Leben einzuhauchen: Der ehemalige Sitz des Adelsgeschlechtes der von Krosigks könnte eines Tages Studenten als Rückzugsmöglichkeit dienen und soll dann auch für Touristen wieder regelmäßig zugänglich sein.

Ana Kunst-Baur: Familiäre Bindungen

Die 72-jährige in Berlin lebende Dolmetscherin und Übersetzerin, die fließend spanisch spricht, führt in erster Linie biografische Gründe für ihr nicht alltägliches Engagement an.

„Einer meiner Vorfahren arbeitete Ende des 18. Jahrhunderts als Notar beim Fürsten Leopold von Anhalt Dessau. Er hieß Nikolai und hatte zehn Kinder, aber nur eine kleine und sehr enge Wohnung. Da bot ihm der Fürst einen Teil des Schlosses als Dienstwohnung an“, erzählt Ana Kunst-Baur, die in Barcelona aufwuchs, da ihre Großeltern nach Spanien ausgewandert waren.

„In unserer Wohnung hing ein Bild mit der Innenansicht des Schlosses in Alsleben. Dazu haben mir meine Mutter und meine Großmutter immer wieder Geschichten erzählt.“

Stiftung Akademie Schloss Alsleben

Und auch wegen dieser Geschichten hatte die Dolmetscherin, die seit 33 Jahren in der deutschen Hauptstadt lebt und auch für die Bundesrepublik vor allem in Lateinamerika gearbeitet hat, den Entschluss gefasst, das Schloss in Alsleben zu besuchen.

Nach der ersten Besichtigung kam Ana Kunst-Baur die Idee mit der Gründung der Stiftung Akademie Schloss Alsleben. „Eine Stiftung muss ihren Zweck klar definieren. Der Zweck besteht darin, den Studenten aller Fakultäten der Leipziger Universität, aber auch anderer Universitäten und kultureller Einrichtungen, die Chance zu geben, in einer fremden, schönen Umgebung kreativ zu sein“, sagt die gebürtige Katalanin, deren Tochter Luise als Dozentin an der sächsischen Universität arbeitet. 

Juristische Hürden

Bei Reinhard Schinke stößt die Gründung einer Stiftung für das Schloss auf große Gegenliebe. „Ich wäre froh, wenn dieses historische Gebäude, das auch eine touristische Attraktion darstellt, wieder genutzt wird. Dies würde unser Schloss dann auch über die Grenzen von Sachsen-Anhalt populärer machen“, meint Alslebens Bürgermeister. 

Doch auch Schinke kennt den baulichen Zustand des mehr als 300 Jahre alten Bauwerks.

Außerdem sind einige juristische Hürden zu meistern, die jedoch nicht so hoch zu sein scheinen wie die Kosten für eine Sanierung eines Teils der insgesamt 72 Zimmer.

Besitzer: „Es muss sehr viel Geld in die Hand genommen werden“

Zudem muss Besitzer Thomas Fränkel mit ins Boot geholt werden, der zu diesem Thema jedoch nur einen Satz sagen wollte: „Es muss sehr viel Geld in die Hand genommen werden.“

Eine Aussage, die Ana Kunst-Baur, deren Herz an dem Schloss hängt, etwas wunderte: „Bei unserem Treffen hat Herr Fränkel gesagt, dass er dieses Projekt massiv unterstützen möchte.“ 

Das alleinige Engagement der Berlinerin wird nicht ausreichen, um diese Sehenswürdigkeit vor einem weiteren Verfall zu retten und wieder sehenswert zu machen.

(mz) – Quelle: http://www.mz-web.de/27972724 © 2017