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Tradition Sehns├╝chte in Klein Hamburg

01.03.2017 00:00:00 | Ute Nicklisch

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Manchmal, wenn ihn die Sehnsucht packt, fährt Manfred Fabich die eine oder andere Tour auf der MS Sanssouci mit. Eigentlich hat der Mukrenaer seinen Job als Binnenschiffer längst an den Nagel gehängt und wohnt mit seiner Frau in seinem Hausboot.

Doch wer ein halbes Leben, genauer 49 Jahre lang, fast tagtäglich auf dem Wasser unterwegs war, kann das nicht gänzlich aufgeben. Denn wie auch für viele andere Schiffer war dieser Job für den inzwischen 80-Jährigen kein simpler Beruf sondern eine Berufung.

Seit 1950 durchkreuzte Fabich zuerst mit seinem Schlepper und später mit seinem Motorschiff die Wasserstraßen in Deutschland. Seine Frau Margit, eigentlich gelernte Friseurin, kam als Bootsmann mit an Bord und so war die „Herta“ lange Zeit das schwimmende Zuhause der Fabichs.

Erinnerungen mit Schiffern austauschen

Deshalb ließen sich die beiden Mukrenaer auch den Schifferball im Gasthof „Goldene Kugel“ in Alsleben nicht entgehen. Schließlich sei diese Veranstaltung Jahr für Jahr eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Schiffern auszutauschen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Denn die Organisatoren von den Vereinigten Schiffervereinen von Alsleben und Umgebung. „Undine e.V.“ von 1823 hat, wie in jedem Jahr, auch Gäste aus befreundeten Vereinen eingeladen. „Wir sind hier wie eine große Familie“, macht der Alslebener deutlich.

Kein Liegeplatz für durchfahrende Schiffe in Alsleben

So kamen die meist sich im Ruhestand befindlichen Schiffer aus Roßlau, Aken, Wettin, Magdeburg, ja sogar von der Havel, nach „Klein Hamburg“, wie Alsleben auch liebevoll genannt wird. Umso bedauerlicher, so findet Ernst-Wilhelm Wehlmann, dass Alsleben keinen einzigen Liegeplatz für durchreisende Schiffe mehr hat.

Dafür, genauso wie für die einstige Bezeichnung „Schifferstadt“, wolle man sich im Verein stark machen. Der Samstagabend jedenfalls begann mit einem zünftigen Buffettessen, dem der traditionelle Fahneneinmarsch der einzelnen Vereine folgte.

 

Viele offizielle Worte wurden dazu nicht gemacht, schließlich wollte man sich amüsieren. Und so stimmte auch schon die Musikkapelle „Saxofive“ unter anderem mit Shantymusik die Gäste auf die Geselligkeit ein. Doch nicht nur Schiffer waren unter ihnen, sondern auch diejenigen, die sich um deren Schiffe kümmern.

Erzählungen über langjährige Familientradition

So zählt Bernd Fischer und seine Familie von der Mukrenaer Schiffswerft an der Saale zu den Stammgästen. Wie in den meisten Schifferfamilien kann auch er auf eine langjährige Familientradition zurück blicken, denn schon mehrere Generationen waren seine Vorfahren als Schiffer tätig. Und Tochter Karina und ihr Bruder werden künftig für die Weiterführung der Schiffswerft Fischer sorgen.

Nicht zuletzt setzt sich die junge Frau sehr engagiert im Verein zur Hebung der Seeschifffahrt für den Erhalt der Saale als Bundeswasserstraße ein. Denn schließlich hänge davon nicht zuletzt ihre Zukunft ab.

Der Schifferball selbst, so sagt Ernst-Wilhelm Wehlmann, auch bekannt als „Charlie, wurde in all den Jahren seit Bestehen seines Vereins ununterbrochen in Alsleben gefeiert. Und so soll im kommenden Jahr das 195-jährige Jubiläum des Vereins „Undine“ gebührend gefeiert werden. (mz)